Seegeschichten vom Altmühlsee Folge 9
"Genussmacher vom Altmühlsee"
Josef Arnold ist keiner, der sich in den Vordergrund drängt. Und doch
gehört er zu denen, die ein ganzes Stück Region mitprägen – still,
beständig, mit Geschmack. Metzgermeister, Hotelier, Wirt, Genussmacher.
Wer mit ihm spricht, merkt schnell: Dieser Mann denkt regional, handelt
unternehmerisch und fühlt tief verwurzelt.
Seit seiner Kindheit kennt Arnold den Altmühlsee – damals noch als
Großbaustelle mit Pfützen, Sand und Schotter. „Da kam mal einer mit’m
roten Paddelboot und hat meinen Vater gefragt, wo der See ist“, erinnert
er sich. Ein See war das in seinen Augen noch lange nicht, eher ein
langsam volllaufendes Versprechen.
Heute ist dieses Versprechen eingelöst – in Form eines klaren, offenen
Sees mit Vogelinsel, Radwegen und einem Panorama, das seinesgleichen
sucht. Für Arnold ist der Altmühlsee mehr als eine Wasserfläche. Er ist
Lebensraum, Kraftort, wirtschaftlicher Motor. „Ohne den See wären wir
wahrscheinlich nicht hiergeblieben“, sagt er nüchtern – und meint das
nicht pathetisch, sondern pragmatisch.
Denn was das Seenland touristisch bietet, spiegelt sich in seiner Küche
wider: Von der Frühstückswurst bis zum Schäufele, von der Bratwurst bis
zur Currywurst – Arnolds Metzgerei beliefert die Gastronomie rund um
den See. Jeder Betrieb mit eigener Ausrichtung, jeder Teller ein bisschen
Heimat.
Und doch ist da auch leise Kritik. Nicht am Angebot – das sei besser als
anderswo, sagt er. Sondern an der Art, wie man darüber spricht. „Wir
Franken tun uns schwer mit dem Stolz“, sagt Arnold. Während man am
Tegernsee selbstbewusst vom Paradies spricht, bleibt das Fränkische lieber
sachlich. „Dabei hätten wir allen Grund.“
Ein Beispiel? Die sogenannten „Kioske“ am See. Was nach Klapptheke und
Cola-Dose klingt, sind in Wahrheit architektonisch ansprechende Häuser
mit Seeblick und feiner Küche. „Im Skigebiet nennt man das „Hütte“ – bei
uns heißt’s Kiosk. Das verkauft sich unter Wert“, sagt Arnold. Und man
hört heraus: Es ist nicht nur ein sprachliches Problem, sondern auch ein
kulturelles.
Dabei gäbe es vieles, worauf man stolz sein kann. Etwa, dass sich Fuß- und
Radwege nicht ins Gehege kommen. Dass es Bänkchen gibt, auf denen
man „ein bisschen sinieren“ kann, wie Arnold es nennt. Oder dass sich ein
ganzer Landstrich seinen Charakter bewahrt hat – trotz des touristischen
Aufschwungs.
Was Arnold sich für die Zukunft wünscht? Kein Wachstum um jeden Preis.
Sondern dass die kleinen Dorfwirtschaften bleiben. Dass man rund um
den See auch in zehn Jahren noch einkehren kann – auf ein Bier, ein Essen,
ein Stück echtes Franken. Nicht durchdesignt, nicht durchinszeniert.
Einfach gut.
Und wenn die Sonne mal nicht scheint? Dann empfiehlt Arnold
Weißenburg, den Limes oder einen Ausflug nach Nürnberg. Oder: einfach
aufs Oberdeck der MS Altmühlsee. „Das Schiff ist unsinkbar“, sagt er
trocken. „Selbst wenn’s untergeht – man schaut immer noch oben raus.“
