Seegeschichten vom Altmühlsee Folge 12
"Zwischen Schleifstaub und Forschung"
Wer glaubt, Historiker säßen nur über verstaubten Texten, sollte Prof. Dr.
Boris Dreyer einmal in der Römerwerft am Altmühlsee besuchen. Dort
steht er – Schleifgerät in der Hand, Staub auf den Schultern – vor einem
originalgetreu nachgebauten Römerboot.
Der Althistoriker der Universität Erlangen forscht nicht nur über die
römischen Militär- und Handelswege, er baut sie auch nach. Wörtlich. Aus
Holz. Mit Nägeln. Und viel Geduld. Was einst Legionen beförderte, wird
hier repariert, getestet und in Fahrt gebracht – wissenschaftlich begleitet,
aber praktisch erlebbar.
Die antike Logistik, sagt Dreyer, war ein Meisterwerk der Organisation.
Pramboote wie das am Altmühlsee waren das Rückgrat römischer
Versorgung. Dass heute wieder eines entsteht, in Gunzenhausen, mit
Beteiligung der Öffentlichkeit und unter Einhaltung moderner Auflagen –
das hat seinen ganz eigenen Reiz.
Was die Römer konnten, probiert Dreyer aus. Und was wir dabei lernen
können, ist: Geschichte wirkt dann am stärksten, wenn sie unter den
Fingernägeln juckt.
